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11/2011

Schlossallee

Hippie-Stil

Am Sonntag erwache ich durch die schieren Helligkeit, die mich umgibt. Noch etwas verschlafen reibe ich mir meine runden Augen und versuche, auf die vor mir liegende Szenerie scharfzustellen. Erst nach ein paar Sekunden gelingt es mir zwischen unzähligen, wie Sonnenblumen in sattem Gelb leuchtenden Blättern ihre Träger, drei nebeneinander liegende Reihen von Bäumen, zu erkennen. In Reih und Glied säuberlich geordnet scheinen sie wie eine Militärgarde Spalier für den Einlauf eines hohen Würdenträgers zu stehen.

Wundersamer Tanz

Als ich die Gasse nach der ehrenvollen Person absuche, entdecke ich am vorderen Ausgang eine großgewachsene Gestalt mit langen Haaren. Gespannt fokussiere ich auf die Gestalt und öffne die Augen noch ein bisschen weiter, sodass sich die Figur klarer vom Hintergrund abhebt. Zu meiner Überraschung erkenne ich ein junges Mädchen in einem perlenweißen Kleid. Darüber trägt sie einen blauen Mantel, dessen Saum sie im Zuge ihrer anmutigen Pirouettenbewegung märchenhaft umschwebt. Unbeschwert breitet sie ihre Arme wie Flügel aus, als würde sie befreit von aller irdischen Last gleich vom Boden abheben. Wie einstudiert schaukeln die Blätter der ihr huldigenden Bäume im Einklang mit ihren wehenden Haaren auf und ab. Hinter mir höre ich meinen älteren Freund und ständigen Begleiter rhythmisch zum Takt ihres wundersamen Tanzes klappern.

Breathless Märchenhaft umschwebt sie der Saum ihres Kleides im Zuge ihrer Drehbewegung.

Während ich gerade überlege, ob ich noch träume, stoppt sie in ihrer Bewegung und lacht mich herzhaft über ihre Schulter an. Bin es wirklich ich, den ihre saphirblauen Augen so wärmend anstrahlen? Hinter mir klackert es jetzt ununterbrochen wie ein Regen aus Beifall. Ich bin gezwungen näher hinzuschauen. Ihr Blick so intensiv, so bestimmt, lässt keine Zweifel offen. Wenn jemand schärfer ist als ich, muss ich mir eingestehen, dann ist sie es.

Unbeschwert

Plötzlich unterbricht ein herabtrudelntes, welkes Blatt unseren Kontakt wie ein kalter Spannungsabfall. Ein kalter Luftzug peitscht mir von der Allee entgegen. Der Rhythmus stoppt. Die Zweige der eben noch friedlichen Garde schütteln sich bedrohlich, als hätten sie einen unliebsamen Beobachter ausgemacht und müssten ihre Herrin beschützen. Meine Sicht ist versperrt durch eine undurchdringliche Mauer aus herabfallenden Blättern. Hilfe, plötzlich dreht sich alles. Mir wird schwarz vor Augen.
Ob ich die holde Maid wohl jemals wiedersehen werde? :)

Kirschen essen
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