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4/2011

Venezia

Erlebniserzählung

Auf ein Gläschen Wein?

"Attenzione!" brüllt ein italienischer Bote über die menschenverstopfte Gasse. Geladen auf seinem riesigen Karren hat er Wasserflaschen und allerlei Nahrungsmittel. Es ist der Dienstag nach dem verlängerten Osterwochenende, und eine gigantische Schar von Touristen nutzt die warmen, sonnigen Tage für einen Urlaub in Venedig.

Die Arbeit des Boten ist schwer. An jeder der zahlreichen Brüken muss er seine Ladung stufenweise hochbugsieren. Autos und sogar Fahrräder gibt es im weiten Stadtbereich nicht. Jegliches Essen und Trinken, Frachtgut wie Baugeräte, alles muss über das Wasser mit Schiffen an den Zielort gebracht werden.

Gerade hebt ein langes, grünes Boot mit kleinem Kran einen Müllcontainer über sein Deck bis zu einer Luke, durch die der Abfall in den Schiffsbauch fällt. Daneben parkt ein gelbes DHL-Boot, beladen mit braunen Paketen. Anstelle jedes unserer Dienstautos gibt es in Venedig ein passendes Schiffspendant: schnelle weiß-blaue Carabinieri-Polizeiboote, weiß-rote Krankenwagenschiffe und die äußerst beliebten Vaporetti, Linienbusse des Wassers, die den sich durch die Stadt schlängelnden Canal Grande und die umliegende Lagune Venedigs befahren.

Neben den Vaporetti sieht man zur Beförderung von Menschen unzählige längliche, schwarze Gondeln, deren paddelnde Antreiber und Lenker, die Gondolieri, (wenn unbeschäftigt) am Rande der Kanäle ihre Dienste anpreisen. Ein Gondolieri dotiert sein Honorar für eine romantische Tour zu zweit mit 100€ (wahrscheinlich verhandelbar) - dafür kommt man an Orte, die nur vom Wasser aus zugänglich sind.

Per Gondeln lassen sich auch die kleineren Kanäle befahren.

Unser Weg und der des Boten trennen sich, auf dem berühmtesten Platz Venedigs ist Durchkommen sowieso kaum möglich. Gigantische Massen von Touristen säumen den großen Markusplatz mit der Basilika San Marco, dem Campanile und dem berüchtigten Dogenpalast. Die meisten halten sich ihre Fotoapparate vors Gesicht, einige füttern die Unzahl von hässlichen Tauben, und ein paar wenige leisten sich ein Gläschen Wein bei einem der teuren Straßencafés.

Vor dem Morgengrauen

Leer findet man den Platz allenfalls frühmorgens. Denn abends sammeln sich zahlreiche Zuhörer um die Cafés, die den sanften und unterhaltsamen Klängen der kleinen, von den Cafés engagierten Musikgruppen lauschen.

Der Companile durch die Säulen des Dogenpalasts

Ansonsten ziehen sich die meisten Touristen bei Einbruch der Dunkelheit zurück (viele aufs Festland, wo eine Hotelnacht deutlich günstiger ist). Mit ihnen verschwindet auch die gehetzte Sightseeing-Stimmung und über die Stadt entfaltet sich ein wundervoll ruhiges Flair. Wenn sich die überfüllten Hauptgassen geleert haben, lassen sich die übrig gebliebenen gerne an einem der einladenden italienischen Restaurants zu Pizza oder Spaghetti nieder. Endlich offenbaren sich auch Einheimische, die man mit Cocktails oder anderen Getränken bei ungebundenen Unterhaltungen an den Hintertüren der Bars antrifft.
Während Hauptgassen und Eingänge zu Gaststätten beleuchtet werden (leider etwas fad zum Fotografieren), avancieren die unzähligen, auch tagsüber kaum besuchten kleinen, engen Gassen zu geheimnisvollen Abenteuern.

Gegen Abend entfalltet sich eine wundervolle Atmosphäre über der Stadt.

Neben der Stadtinsel Venedig locken ebenso kleinere Inseln mit ihrer idyllischen Atmosphäre. Per Vaporetto machen wir einen Abstecher ins kleine malerische Örtchen Burano. Die vielen knallbunten Häuschen, die laut Reiseführer wegen der Feuchtigkeit jährlich neu gestrichen werden müssen, begeistern nicht nur uns. Augenscheinlich treiben sich hier täglich mehr Besucher als Einheimische herum.

Waschtag auf Burano

Obwohl die Karnevalszeit bekanntlich an Ostern längst vorüber ist, werden an ausnahmslos jeder Ecke handbemalte Masken verkauft. Zurzeit scheinen wenige Leute Interesse an den farbenprächtigen Kunstwerken zu zeigen, aber bis zum nächsten Abspielen des legendären Spektakels im Februar wird die Nachfrage mit Sicherheit steigen und unser Bote auch einige Masken ausfahren. Wir erstehen zwei einfache Masken - für zukünftige Shootings.

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